Vampir - wurf

 

geb: 25. März 2009

 

Im Leben eines Züchters gibt es Höhen und Tiefen, aber mein absolutes Tief habe ich im letzten Monat erreicht.

 

Hier das Tagebuch meines Vampir-Wurfes:

 

25.03. Fialotta (Lottchen) bringt 2 Kater (Edward und Jasper) und 4 Katzen (Bella, Kachiri, Makenna und Zafrina) zur Welt. Die Geburt verläuft ohne Probleme, Lottchen hat Milch und alle 6 Kitten nehmen bereits in den ersten Stunden zu.
02.04. Jasper hat nicht zugenommen. Beim Atmen ist ein leichtes Lungengeräusch zu hören, er erhält nach Absprache mit meiner Tierärztin Chloromycetin-Palmitat. Ab jetzt kontrolliert meine Mutter (meine Eltern wohnen zum Glück nur 200 m entfernt) 2 x täglich, während ich nicht im Haus bin, die Kitten.
03.04.

Meine Mutter kontrolliert um ca. 16.00 die Babies, alles ist in Ordnung, Jasper liegt bei den anderen und trinkt.

Ca. 20.00 Uhr komme ich nach Hause und höre schon in der Tür, dass etwas nicht stimmt. Kachiri liegt mit blauem Maul und aufgeblähtem Bauch in der Wurfkiste und ringt laut atmend nach Luft. Jasper liegt bei den anderen, aber Bella kann ich nicht finden. Unter einer umgeschlagenen Stoffecke finde ich Bella. Sie ist tot und der Kopf ist seltsam deformiert, als ob Lottchen lange auf ihr gelegen hat.

Meine Tierärztin ist zum Glück noch in der Praxis und ich fahre sofort hin. Kachiri wird eingeschläfert. Unter sterilen Bedingungen entnimmt meine Tierärztin Lungengewebe von Bella und schickt dieses am nächsten Tag in das Labor.

Prophylaktisch bekommen ab sofort alle Kitten und Lottchen Chloromycetin.

04. + 05.04. Jasper nimmt trotz Zufütterung weiter ab, er erhält zusätzlich Flüssigkeit.
06.04.

Jasper bekommt keine Luft mehr, die Augen sind klar, keine Schnupfen- oder ähnliche Anzeichen sind zu sehen. Er muss leider auch eingeschläfert werden.

Da ich zu diesem Zeitpunkt befürchte, dass Lottchen ihre Babies erdrückt hat, erkläre ich auf meiner Homepage, dass die Babies durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen sind.

Ich gebe weiterhin Chloromycetin.

09.04.

Meine Mutter kontrolliert um 11.00 und um 14.00 Uhr die Babies. Um 14.00 Uhr findet sie Makenna tot in der Wurfkiste. Abends fahre ich mit den verbliebenen Kitten Edward und Zafrina in die Tierarztpraxis, da nun auch bei ihnen Lungengeräusche zu hören sind.

Das Laborergebnis ist da. Bella ist an Lungenentzündung aufgrund von E-Kolibakterien gestorben. Das angefügte Antibiogramm zeigt, dass dieser Bakterienstamm auf fast alle gängigen Antibiotika resistent ist. Der einzige Wirkstoff, der Welpen gegeben werden kann ist Chloramphenicol. Das bedeutet, dass wir von Anfang an richtig behandelt haben.

10.04. Edward nimmt ab, ich füttere zusätzlich
11.04. Abends ist Edward tot.
12.04. Zafrina hat stärkere Lungengeräusche. Aus Zafrina wurde erst Frienchen, und inzwischen heißt sie Trinchen/Trine
17.04. Trinchen kämpft, die Lungengeräusche werden weniger. Allerdings trübt ihr linkes Auge ein. Sie erhält ab sofort im Wechsel Augensalbe (Regepithel und Posiphenicol), auch in der Nacht.
18.-21.04. Die Atmung ist normal ohne Lungengeräusche. Auf dem linken Auge entsteht ein „weißer“ Fleck umrahmt von Eintrübungen. Tagsüber „schmiert“ meine Mutter mehrfach, Nachts klingelt mein Wecker.
21.04. Das rechte Auge wird auch trüb. Trinchen klettert aus der Wurfkiste und turnt durch das Wohnzimmer.
22.04. Trinchen ist praktisch blind, und läuft gegen Tisch und Sessel.
23.-25.4. Wir „schmieren“ weiter und die Eintrübungen werden von Tag zu Tag kleiner.
26.04. Auf dem linken Auge ist nur noch ein kleiner weißer Punkt, das rechte Auge ist klar. Durch Zufall entdecken wir hinter dem rechten Schulterblatt ein ca. Daumennagel großes Loch. Wie dies passieren konnte, ist mir rätselhaft. Wir haben kein Blut gefunden, kein Fell, das Loch war einfach da. Erste Versorgung mit antibiotischem Puder.
27.04.

Das Loch wird mit 2 Klammern geschlossen. Es sind 2 Erwachsene nötig, um 600 Gramm zu bändigen, so dass nicht noch ein Bein oder ein Ohr mit „getackert“ werden. Danach schüttelt Trine sich, guckt uns vorwurfsvoll an und putzt sich dann energisch. Was lässt sich dieses Energiebündel in den nächsten Monaten noch alles einfallen.

Übrigens, feste Nahrung ist immer noch nicht ihr Ding, alle Schüsseln und Teller werden verachtet. Wenn sie könnte, würde Trine sicherlich noch hineinspucken.

29.04.

Es ist Ihnen sicherlich auch schon klar geworden, dass meine Eltern und ich Trine nicht mehr abgeben können. Wir haben so viel Liebe, Energie, Zeit, Tränen, Verzweiflung und vieles mehr investiert, um diese kleine Persönlichkeit am Leben zu erhalten.

Auch ein Züchter sollte wie ich in diesem Fall sich auch Herzenstiere zugestehen und nicht immer nur nach dem Kopf entscheiden.

Der „Vampir-Wurf“ hat auf hier auf der Erinnerungsseite seinen Platz gefunden, in der Wurfübersicht wird aber nur Trine erscheinen mit einem Link hierhin – zu ihren Geschwistern.

 

 

 

2 days old

 

Edward Jasper Kachiri
Makenna Bella